Frankfurt, 19.04.2010 - Drei Jahre Praxistest auf dem Fraport-Gelände des Frankfurter Flughafens und im Industriepark Höchst haben die vier A-Klasse F-CELLs von Mercedes-Benz nun hinter sich. Sie sollten im Rahmen des EU-geförderten und von Infraserv Höchst koordinierten Projektes Zero Regio wichtige Erfahrungswerte über den Alltagsbetrieb und die Betankung von Wasserstoff betriebenen Pkw liefern. Das Ergebnis: „Absolut alltagstauglich!“
So lautet auch das Fazit von Zero Regio-Projektkoordinator Dr. Heinrich Lienkamp von Infraserv Höchst: „Als wir das Projekt Zero Regio Ende 2004 starteten, hatten wir das Ziel, eine Wasserstoffinfrastruktur in der Rhein-Main-Region aufzubauen und Brennstoffzellen-Fahrzeuge im Alltagsbetreib zu testen. Das ist uns gelungen und wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden.“
Zuverlässige Pkw mit niedrigem Verbrauch
In der dreijährigen Testphase waren die Mercedes-Benz A-Klasse F-CELLs am Flughafen Frankfurt und im Industriepark Höchst auf Kurzstrecken im Dauereinsatz. Integrierte Messgeräte zeichneten täglich verschiedene Parameter wie Fahrleistung, Wasserstoff-Verbrauch und die Betankungszeiten auf. Diese Daten werden derzeit ausgewertet. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass die Antriebstechnik absolut zuverlässig ist: Störungen in der Wasserstoffversorgung oder der Brennstoffzellentechnik gab es keine einzige.
Im niedrigen Energieverbrauch sind die Brennstoffzellen-Fahrzeuge ohnehin unschlagbar: Sie verbrauchen nur etwa die Hälfte eines vergleichbaren Erdgasautos. Die Brennstoffzelle zur Stromerzeugung in Kombination mit dem Elektromotor hat einen Wirkungsgrad (Tank to Wheel) von zirka 40 Prozent; zusätzlich kann Bremsenergie in Strom umgewandelt und in der Batterie gespeichert werden. Steht das Auto beispielweise im Stau oder an der Ampel, verbraucht es keinen Treibstoff. Verbrennungsmotoren dagegen haben nur einen Wirkungsgrad von etwa 17 bis 20 Prozent – und stoßen dabei Schadstoffe aus.
Betankt wurden die Test-Fahrzeuge ausschließlich an speziellen Wasserstoffzapfsäulen der von Agip betriebenen Multikraftstoff-Tankstelle am südlichen Rand des Industrieparks Höchst. Zur Versorgung der Tankstelle hatte Infraserv Höchst, Betreiber des Industrieparks Höchst, von seinem Wasserstoffzentrum aus eigens eine etwa 1,7 Kilometer lange 900 bar-Hochdruckleitung verlegt und eine Verdichterstation eingerichtet. So steht der Wasserstoff in zwei Druckstufen, 350 und 700 bar, und in flüssiger Form zur Verfügung.
Intelligente Wasserstoff-Zapfsäulen
Die Wasserstoff-Tankstelle am Industriepark Höchst ist eine der modernsten weltweit, denn hier kommuniziert die Zapfsäule mit dem entsprechend ausgerüsteten Fahrzeug: Via Infrarot-Kommunikation werden Druck und Temperatur im Tank an die Zapfsäule gemeldet und dadurch der Füllprozess gesteuert. Der Wasserstoff wird vor dem Befüllen auf etwa -40° Celsius heruntergekühlt, um die Tanktemperatur beim Füllvorgang unterhalb der Grenze zu halten, die sicherheitstechnisch unbedenklich ist. Mit Hilfe der Infrarot-Kommunikation und der Vorkühlung des Wasserstoffs dauert der Tankvorgang nur drei Minuten.
Neben dem Beweis der Alltagstauglichkeit der neuen Technologie verfolgte das Projekt Zero Regio laut Dr. Lienkamp aber auch ein anderes Ziel: „Um eine Marktdurchdringung inklusive serienreifer Fahrzeuge und eines Tankstellennetzes zu erreichen, brauchen wir die grundsätzliche politische und wirtschaftliche Akzeptanz. Den Weg hierfür wollten wir ebnen, in dem wir beispielhaft die notwendigen Infrastrukturen schaffen, Fahrzeuge mit Brennstoffzellen als Energiewandler bereitstellen und grundlegende technische Regeln und Normen für diese neue Technologie entwickeln.“
Erstes Regelwerk weltweit für den Bau von Wasserstoff-Füllanlagen
Letzteres ist im Laufe des Projektes ebenfalls gelungen: Aufgrund der Praxiserfahrungen mit der Tankstelle wurde von den Projektmitgliedern gemeinsam mit dem TÜV ein erstes Normblatt erstellt (Merkblatt Nr. 514 des VdTÜV). Es ist das weltweit erste Dokument dieser Art und kann als Standard- Regelwerk für Wasserstoff-Füllanlagen in Deutschland herangezogen werden. So wird die Planung und Genehmigung zukünftiger Wasserstofftankstellen wesentlich einfacher.
ZERO REGIO ist ein von der Europäischen Kommission gefördertes integriertes Projekt innerhalb des 6. Forschungsrahmenprogramms. Gegenstand des Projektes ist die Errichtung und Erprobung einer Wasserstoff-Infrastruktur in zwei europäischen Regionen für die Versorgung von Brennstoffzellen-PKW. Ziel ist es, emissionsfreie Transportsysteme für den alltäglichen Einsatz in europäischen Ballungsräumen zu entwickeln und zu erproben. In dem Projekt Zero Regio arbeiten 16 europäische Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus vier Ländern zusammen. Zu dem Projektkonsortium gehören neben Infraserv Höchst die Unternehmen Agip Deutschland, Daimler, Fraport und Linde, staatliche Organisationen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Italien sowie Universitäten aus Italien, Schweden und Dänemark. Das Projekt startete im November 2006 und endet im Mai 2010. In dieser Zeit wurden in zwei europäischen Ballungsräumen, im Rhein-Main-Gebiet und in der Region Lombardei mit der Stadt Mantua, Infrastruktursysteme für Wasserstoff als Kraftstoff aufgebaut und in konventionelle Tankstellen integriert.
Weitere Informationen unter www.zeroregio.com.
Infraserv Höchst mit Sitz in Frankfurt am Main betreibt anspruchsvolle technische Infrastrukturen für Chemie, Pharma und verwandte Prozessindustrien und ist Betreiber des Industrieparks Höchst. Infraserv Höchst versorgt Unternehmen mit Energien und Medien, übernimmt Entsorgungsleistungen und stellt Flächen sowie Infrastrukturen zur Verfügung. Von Umwelt-, Schutz- und Sicherheitsleistungen über Angebote aus dem Gesundheitsbereich bis hin zu Kommunikations- und IT-Services reicht das Leistungsspektrum. Als hundertprozentige Tochtergesellschaften gehören Infraserv Logistics, Provadis Partner für Bildung und Beratung und der Technikumsdienstleister Technion zur Infraserv-Höchst-Gruppe.
Die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter und 140 Auszubildende. Zur Infraserv-Höchst-Gruppe gehören rund 2.700 Mitarbeiter und 171 Auszubildende. Im Jahr 2009 erzielte Infraserv Höchst inklusive der Tochtergesellschaften einen Umsatz von rund 1,15 Milliarden Euro.
Der Industriepark Höchst ist Standort für rund 90 Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie, Basis- und Spezialitäten-Chemie, Pflanzenschutz, Lebensmittelzusatzstoffe und Dienstleistungen. Rund 22.000 Menschen arbeiten im Industriepark. Das Gelände ist 460 Hektar groß; davon sind noch 50 Hektar frei für Ansiedlungen. Die Unternehmen im Industriepark investierten im Jahr 2009 insgesamt rund 644 Millionen Euro am Standort. Die Summe der Investitionen beträgt seit dem Jahr 2000 etwa 4,3 Milliarden Euro.
Quelle: Infraserv GmbH & Co. Höchst KG